Die 2. Schützenkompanie PDF Drucken E-Mail
2_Komp_2002In einer Resolution an den Uelzer Magistrat beantragten 37 Bürger am 09. Mai 1803 eine „eigene separate Schützengesellschaft“. Sie wollten dem Gedanken des Schützenwesens neue Impulse geben. Sie beabsichtigten aber nicht, die bestehende Schützenverfassung zu beseitigen. Man strebte vielmehr nach einer neuen Ordnung, die auf fortschrittlichen bürgerlichen Grundsätzen und deren Verteidigung beruhte. Vielleicht eine Auswirkung der französischen Revolution. Am 13. Mai 1803 genehmigte der Magistrat und der Rat der Stadt Uelzen unter bestimmten Auflagen die Bildung einer neuen Schützengesellschaft. So entstand der Ursprung der 2. Kompanie. Ihr erster Führer wurde Rudolph Hoevermann, Mitglied des Krameramtes, der 2 Jahre später Stadtcapitain wurde. Ihm folgten als Führer von 1805 bis 1808 der Brauer Ernst Anton Lohstöter und von 1808 bis 1827 der Kaufmann Johann Christian Praesent. Die Uniform bestand aus Dreispitz, dunkelblauen Rock mit weißer Weste und weißer Hose. 1850 erhielten die Mitglieder mit dem dunkelblauen Waffenrock eine neue Uniform. Im Zuge der deutschen Einigung wurde diese 1871 durch die graue Schützenjoppe ersetzt. Der Deutsche Schützenbund hatte sie überall eingeführt. Die 1. und die 3. Kompanie behielten vorerst ihre bisherigen Uniformen. Bis zur Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts trug die 2. Kompanie dazu einen steifen Eckenkragen mit schwarzer Fliege. Dann wechselte man zur silbergrauen Krawatte und weißem Hemd mit normal weichem Kragen. Ihre Schulterstücke sind grau-grün geflochten.

Die erste eigene Fahne erhielt die 2. Kompanie im Jahre 1863. Sie wurde vom damaligen Kompanieführer Christian Flügge gestiftet, bzw. „aus eigenen Mitteln“ beschafft (Tagebuch Georg Hein), Stadthauptmann Hein weihte diese am Pfingstmontag, 25. Mai, ein. 1924 ersetzte man sie durch eine neue Fahne. Mitglieder der Kompanie und verschiedene hochherzige Bürger der Stadt stifteten sie (Farina-Zitat). Die alte Fahne wurde im Museum aufbewahrt und verbrannte dort wie die der 1. Kompanie in den letzten Kriegstagen. Die Kompaniefahne der 2. Kompanie trägt das Motto „Treue ist das Mark der Ehre“.

Albert Gerber, Mitglied der 2. Kompanie, wurde 1935 zum Leutnant und Adjutant der Gilde gewählt. Er hatte dieses Amt bis 1955 inne. Sein von ihm gestiftetes Leutnantsschild ging auf die Kompanie über und wird seit dem vom jeweiligen Kompanieführer getragen. Einer der bekanntesten Kompanieführer war Friedrich Roloff, Leutnant von 1911 bis 1921. Danach wurde er zum Stadthauptmann gewählt. Er war nicht nur ein exzellenter Schütze, sonder gleich dreimal Schützenkönig gewesen. Ihm folgte Paul Isern, der aber nach wenigen Jahren aus Uelzen fortzog. 1925 wurde der Kaufmann Adolph Louis Hoevermann zum Leutnant und Kompanieführer gewählt. Ein bekannter Uelzer Bürger, beliebt bei allen Schützen und der Bevölkerung. Er trat 1933 zurück. Sein Nachfolger wurde der Rechtsanwalt und Notar Georg Rese. Er führte die Kompanie bis 1955. Unterbrochen durch den Krieg und seiner russischen Gefangenschaft, in die er 1945 geriet. 1955 wurde er Nachfolger von Stadthauptmann Friedrich Roloff. Georg Rese war 1924 in die Gilde eingetreten und 1930 zum Rottmeister gewählt worden. 1936 war er Schützenkönig. Sein Nachfolger wurde der 1895 geborene Klempnermeister Heinrich Witte. Eingetreten in die Gilde 1928 und im Jahre 1950 zum Rottmeister gewählt. Er hatte die Freude, vier Könige hintereinander -von 1955 bis 1958- in seiner Kompanie zu haben. Dieser verdienstvolle Mann wurde zum Ehrenleutnant ernannt und blieb seiner Kompanie bis zu seinem Tode 1989 treu. Von 1961 bis 1966 folgte ihm Horst Zimmer als Kompanieführer. Er hatte sich als Schützenmeister des 1956 gegründeten Schützenlubs der 2. Kompanie verdient gemacht. Danach folgte die Wahl des wohl unvergessenen Rudolf Froin. Dieser trat 1953 in die Gilde ein und wurde 1965 zum Rottmeister gewählt. 1981 übernahm er das Amt des Bürgermeisters unserer Stadt Uelzen und stellte darauf hin aus diesem Grunde und wegen Arbeitsüberlastung sein Leutnantsamt 1983 zur Verfügung. Stets in Erinnerung bleiben die Auftritte der 2. Kompanie zum Beispiel beim Oldenstädter Schützenfest mit dem Ausklang in der „Ponderosa“, dem Hause ihres Kompanieführers „Rudi“ Froin an der Eichenallee.

Der Rottmeister Hansjürgen Voigts, seit 1951 Mitglied der 2. Kompanie und 1973 zum Rottmeister gewählt, wurde nunmehr Kompanieführer. Er war Mitbegründer des Schützenklubs und hier selbst mehrere Jahre dessen Schützenmeister. Mit 66 Jahren stellte er 1993 sein Amt aus Altersgründen zur Verfügung.

Im folgenden Jahr wählte die Gilde Hans-Georg Siemon zum Leutnant, der 1985 als „Neu-Uelzer“ in die Kompanie eingetreten war und 1991 als Schützenmeister den Schützenklub übernahm. Noch im gleichen Jahr wurde er Fahnenträger seiner Kompanie. Schon 1993 wählte ihn die Wahlkommission der Gilde zum Rottmeister und nur ein Jahr später zum Kompanieführer. Ihm waren leider nur wenige Jahre vergönnt, die Kompanie zu führen. Er verstarb 1997 nach schwerer Krankheit wenige Tage vor dem Schützenfest. Seine Schützenbrüder und die ganze Gilde werden seine humorvolle Art, sein zurückhaltendes Wesen, seine besondere feine Redegabe und seinen untadeligen Charakter nie vergessen. Es wurde nicht nur für seine Kompanie ein trauriges Schützenfest. Als Kompanieführer sprang der „Alte“ ein. Hansjürgen Voigts übernahm erneut die Führung der Kompanie, bis Jürgen Dierks, Rechtsanwalt- und Notarkollege des Stadthauptmannes Höfer 1998 zum Leutnant und Kompanieführer gewählt wurde. Er zählt mit 45 Jahren ebenfalls zu den jüngeren Offizieren der Gilde. Auch Dierks ist ein begeisteter Sportschütze und sehnt sich sehr nach dem Königsschuss. Ihm zur Seite stehen in der Führung der Kompanie die Rottmeister Thomas Hannemann, Hermann Mieth, Herbert Plathner und Rainer Szimke. Ebenfalls gehören der Stadthauptmann Heinz-Joachim Höfer, der Adjutant Leutnant Ralf Fehlhaber und der Gildesekretär Uwe Böker zur Kompanie. Im Jahr 2003 feierte die 2. Kompanie ihr 200 jähriges Bestehen. Neben vielen anderen Veranstaltungen ist hier besonders der festliche Kommers, die eigentliche Festveranstaltung, zu erwähnen. Im Kreise geladener Gildemitglieder, Schützenbrüdern aus befreundeten Vereinen und Honorationen der Stadt wurde mit einem Festakt das Jubiläum begangen.

Ganz besonders am Herzen liegt den Schützenbrüdern der 2. Kompanie die Pflege von Kontakten zu befreundeten Vereinen außerhalb der Schützengilde. So besteht schon seit Mitte der 50er Jahre eine harmonische Freundschaft zu den Oldenstädter Schützen, insbesondere zur Jägerkompanie, die von jedem Führer der 2. Kompanie aufs Neue gestärkt wird. Die traditionellen Besuche mit einer großen Abordnung zum Oldenstädter Schützenfest am Himmelfahrtstag zeugen jedes Jahr davon.

Seit 1990 besteht auch ein sehr enger Kontakt zum Schützenverein Wallstawe (Altmark) von 1870, der alle unterschiedlichen politischen Veränderungen überstanden hat. Mehrmals im Jahr finden gegenseitige Besuche statt.

Gute Verbindungen pflegen die Schützenbrüder auch zur Kyffhäuserkameradschaft Stöcken, in der unser Leutnant Dierks auch Mitglied ist. Auch mit dem TVU führt die 2. Kompanie jährlich gegenseitig sportliche Wettkämpfe, verbunden mit geselligem Zusammensein, durch. Desgleichen geschieht mit der Junghandwerkerschaft Uelzen.

Die 2. Kompanie sagt von sich selbst, dass sie nicht unbedingt die beste Kompanie im Schießsport ist, aber dafür sei sie stets die Lustigste. Bei diesem Understatement sei hier erwähnt, dass sie seit Gründung im Jahre 1803 bis zum Jahre 2004 von den insgesamt 168 Schützenkönigen der Stadt Uelzen insgesamt 69 Könige (rund 41 %) gestellt hat. Dabei hat sich in den letzten Jahren die 7 als magische Zahl herausgestellt. Denn alle 7 Jahre stellte die 2. Kompanie in der jüngeren Vergangenheit die Majestät.

So gelang es im Jahre 2004 Helmut Szurowski den besten Schuß auf die Königsscheibe abzugeben und leitete damit etwas Ungewöhnliches ein. Ihm folgten nämlich Michael Schultze und Kurt Schulz als Majestäten und seit langer Zeit stellte eine Kompanie wieder das Königsrott.
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